RELEASE CONCERT EVENT

 „ DIE PARTEI & WEGGENOSSEN“ IN COLOGNE  07.05.2024

Instagram @
Facebook

SHOP BUERO B - LP & CD - DIE PARTEI  - CELAVIEMACHINERY

1981 veröffentlichten Tom Dokoupil und Walter Dahn als Die Partei das Album »La Freiheit des Geistes«, auf dem sie Elemente des elektronischen Krauts der 70er und 80er Jahre mit der charmanten Hektik der NDW vereinten. Nun, 43 Jahre später, präsentiert Die Partei mit »Celaviemachinery« ein Album, das diese Wurzeln reflektiert. Mit verträumten Landschaften und Anspielungen auf einflussreiche Platten ist es jedoch nicht nur eine Hommage, sondern auch ein Zeugnis kompositorischer Schönheit, das die Relevanz von Die Partei in der zeitgenössischen elektronischen Musik bekräftigt.


1981 erschien auf dem Label »1000 Augen« eine seltsame Platte, deren Cover Arno Brekers Relief »Der Fackelträger« zierte. »La Freiheit des Geistes« hieß das Album und wurde verantwortet von der Kollaboration des Wirtschaftswunder-Gitarristen Tom Dokoupil und des Universalkünstlers und Beuys-Schüler Walter Dahn, die sich für dieses Projekt auf den Namen »Die Partei« verständigt hatten. Man hörte und staunte: Was da als Resultat einer einwöchigen Session entstanden war, schwebte in einem berückenden Dazwischen. Einerseits waren deutliche Spuren des elektronischen Krauts der 1970er und frühen 80er erkennen, man erahnte die Erbschaft von Cluster oder Neu! und die Verwandtschaft zu Manuel Göttsching und Michael Rother. Über den Sequencern verloren sich Saxophone, Mellotrone und Analog-Synthis, Filmzitate aus »Raumschiff Enterprise«, Gitarrensamples. Andererseits hatte das alles doch mehr Schneidigkeit, fügte sich gar nicht so schlecht in die Hektik der frühen bundesdeutschen NDW ein – und so klangen die elf Instrumentals dann zugleich auch wundersam zukünftig, nach der kompositorischen Strenge eines Thomas Fehlmann und jener Electronica, die sich erst im Gefolge von Techno in den 90ern durchsetzen sollten.

Die Jahre zogen ins Land, und nun, 43 Jahre später, ist »Die Partei« wieder da. Ein wenig mehr Zeit hat man sich diesmal genommen: Insgesamt zwei Jahre haben Dokoupil und Dahn am neuen Album getüftelt. »Celaviemachinery« heißt es – ein treffender Titel, hat man es doch hier vor allem auch mit einer Maschine des Sentimentalen zu tun. Ohne Zweifel spricht die gründlich renovierte Klangkulisse der Partei zum 21. Jahrhundert: Aber sie erzählt uns vor allem von ihren Wurzeln. Versetzt uns schon das Cover – ein Filmstill aus Robert Bressons »Mouchette« – wieder in eine Welt, in der die europäische Kunst noch wild war, so befindet man sich mit dem ersten Track mitten im verträumten Soundtrack einer Rückreise. Wo »La Freiheit des Geistes« mit »Guten Morgen in Köln« begann und mit einer »Nord-Süd- Fahrt« endete, da setzt sich »Celaviemachinery« nun mit »Süd-Nord-Fahrt« in Bewegung, Zurück geht es also, angenehm pulsierend, die alte Beat Box stets im Gepäck, aber doch den musikalischen Landschaften, die an uns vorbeiziehen, stets untergeordnet. Immer wieder tauchen für einen kurzen Moment alte Bekannte aus Vinyl am Horizont auf. Harald Grosskopf glaubt man zu erkennen, Tyndalls »Traumland« ebenso, und wenn Walter Dahn nicht müde wird, »Ralf & Florian« als die bedeutendste Platte im Kraftwerk-Katalog zu preisen, so wird man Stücke wie »Domino« oder den Titeltrack durchaus als eine Reminiszenz hören dürfen. Mit »Untitled Filmstill« findet sich dann sogar ein echtes Remake auf der Platte: So hätte »India« geklungen, wäre Roxy Music eine deutsche Band gewesen. Gleichwohl lebt »Celaviemachinery« zuvorderst nicht von Anleihen, sondern von der kompositorischen Schönheit des Albums. Ob das elegisch schwelgende «Here comes the warm jets« oder der freudig um die eigene Achse kreisende »Autoselbstfahrer«, ob das angespannt dräuende »Nacht zum Tag« oder die versöhnliche Melancholie des Schlussstücks »Heb mich auf«: Gerne taucht man immer wieder in diese zwölf Kurzhypnosen ein, es ist so schön dort. Wer sich erst einmal Dokoupils und Dahns Maschinerien anvertraut hat, der kann ermessen, welch großes Glück ist, die Partei wieder bei uns zu haben. Denn sie hat immer recht.


- Philipp Theisohn